EU-Geldwäscherichtlinie: Startups fordern Augenmaß in der Finanzmarktregulierung

Stellungnahme der FinTech- & InsurTech-Plattformen im Startup-Verband zum Referentenentwurf eines Gesetzes zur Umsetzung der Änderungsrichtlinie zur Vierten EU-Geldwäscherichtlinie.

Berlin, 20.06.2019. Kundenzentrierte Dienstleistungen und agile Geschäftsmodelle sind entscheidend, um zukünftig im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Das gilt auch für die deutsche Finanz- und Versicherungswirtschaft. Hier plant der europäische Gesetzgeber eine Änderung im Geldwäschegesetz (GwG) und Kreditwesengesetz (KWG), die das präventive System von Geldwäschepraktiken und Terrorismusbekämpfung verbessern soll. Die betroffenen Plattformen im Startup-Verband sehen dem Inkrafttreten der 4. EU-Geldwäscherichtlinie mit Sorge entgegen.

Grund hierfür sind die geplanten Anpassungen eines zusätzlichen Identifikationsverfahren und die Erweiterung des Verpflichtetenkreises auf Anbieter von elektronischen Geldbörsen. Neben der Belastung auf Kundenseite droht Startups im Vergleich zu etablierten Marktteilnehmern im Rahmen der zusätzlich durchzuführenden Identifikationsverfahren ein erheblicher Mehraufwand. Anbieter von elektronischen Geldbörsen, die eine Blockchain-Infrastruktur anbieten, sehen bei einer generalisierenden Regulierung ihr Geschäftsmodell in Frage gestellt.

Solche legislativen Maßnahmen können den digitalen und globalen Erfolg deutscher Unternehmen schwächen und den Arbeitsmarkt nachhaltig belasten. Die FinTech- und InsurTech-Startups des Startup-Verbands fordern daher innovationsfreundlichere politische Rahmenbedingungen im Umgang mit Startups und sprechen sich für eine Anpassung des vorliegenden Referentenentwurfs aus.

Tim Fabian Besser, Gründer der Novasurance SE und Sprecher der InsurTech-Plattform im Startup-Verband: „Insurtechs richten sich mit ihren Geschäftsmodellen radikal am Kunden aus und nutzen dafür sinnvolle Technologien und Prozesse. Die digitale Umsetzung von einigen Versicherungsprodukten und deren Kundenfreundlichkeit werden jedoch massiv durch regulatorische Hürden beschränkt. So entsprechen beispielsweise die aktuell gesetzlich geforderten Video-Identifikationsverfahren nicht dem digitalen Nutzungsverhalten und behindern neue Geschäftsmodelle: Video-Ident steht nicht, wie im Internet sonst üblich, 24/7 zur Verfügung, ist auch für kleine Beträge einzusetzen, ist technologisch nicht ausgereift, führt zu relevanten Abbruchraten und ist außerdem für den Anbieter kostenintensiv. Hier müssen andere Verfahren erlaubt und gefördert werden, die deutlich kunden- und prozessfreundlicher sind.“

Marc Roberts, General Counsel von Raisin / WeltSparen: „Die rechtssichere und praktikable digitale Identifikation ist ein Kernthema für viele Fintechs und uns mit Europa als Heimatmarkt. Das Geldwäscherecht als Grundlage spielt dabei eine wesentliche Rolle in der Praxis, um Missbrauch zu verhindern. Der vorgeschlagene Referentenentwurf greift zwar im Ansatz nachvollziehbare Punkte auf, um eine Umgehung zu vermeiden, er geht aber aus unserer Sicht weit über das Ziel hinaus. Der Entwurf benachteiligt nicht etablierte Anbieter und Kooperationen im Open-Banking-Bereich, die auf lizensierte Drittanbieter für die Identifikation und Geldwäscheprüfung von Kunden beruhen, denn darauf basieren viele Partnerschaften – zwischen Fintechs sowie zwischen Banken und Fintechs. Gerade hier sollte mit Augenmaß reguliert werden, um Innovationen nicht zu verhindern. Andernfalls müssen sich beispielsweise Kunden sich bei jedem Anbieter einzeln identifizieren – das ist heute weder zeitgemäß noch nutzerfreundlich.“

 

Hier können Sie die Stellungnahme des Startup-Verbandes herunterladen.

 

Über den Startup-Verband

Der Bundesverband Deutsche Startups e.V. wurde im September 2012 in Berlin gegründet. Der Verein ist der Repräsentant und die Stimme der Startups in Deutschland. Er erläutert und vertritt die Interessen, Standpunkte und Belange von Startup-Unternehmen gegenüber Gesetzgebung, Verwaltung und Öffentlichkeit. Er wirbt für innovatives Unternehmertum und trägt die Startup-Mentalität in die Gesellschaft. Der Verein versteht sich als Netzwerk der Startups in Deutschland.

 

Über die Plattform FinTech

Die FinTech Plattform wurde von führenden deutschen FinTech-Startups mit dem Ziel gegründet, im Bundesverband die schnell wachsende Gruppe von Startups im Bereich technologiebasierter Finanzdienstleistungen zusammen zu bringen, um gemeinsam in den Dialog mit Politik, Aufsichtsbehörden und Branchenverbänden einzutreten und dabei die Interessen dieser Unternehmen zu vertreten. Die Mitglieder der Plattform decken dabei die verschiedensten Segmente wie Payments, Lending, Crowdfunding, Investment, Banking, InsurTech, Blockchain und Technology Services ab.

 

Über die Plattform InsurTech

InsurTechs orientieren sich aktiv an neuen Kundenbedürfnissen im Zeitalter der Digitalisierung und versuchen, Komplexität und Kostspieligkeit mit kunden- und kostenorientierten Produkten und Services zu ersetzen.  Die Plattform InsurTech greift diese Entwicklungen proaktiv auf und ist innerhalb des Startup-Verbands erster Ansprechpartner für den digitalen Wandel der Versicherungsbranche. Dem übergeordneten Zweck des Startup-Verbands folgend sieht sie sich neben der Vernetzung von Startups und etablierten Unternehmen der Interessenvertretung von Startups gegenüber Politik und Verwaltung verpflichtet.

 

Pressekontakt

Bundesverband Deutsche Startups e.V.

Paul Wolter

Teamleiter Politik & Kommunikation

+49 (0) 30 609 8959 101

paul.wolter@deutschestartups.org

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