Aktueller Report zeigt: Migrant Founders bringen Mut und Innovation ins deutsche Startup-Ökosystem – hohe Hürden bei Vernetzung und Finanzierung

Startup-Verband und Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit legen neue Studie zur Rolle von Gründerinnen und Gründern mit Migrationshintergrund für das deutsche Startup-Ökosystem vor.

Berlin, 27.04.2021.

In den letzten Jahren wurden mit Unternehmen wie BioNTech, Auto1, Delivery Hero, ResearchGate, Gorillas, Omio, GetYourGuide oder Qunomedical zahlreiche erfolgreiche Startups von Gründerinnen und Gründern mit Migrationshintergrund aufgebaut.

Der heute vorgelegte Migrant Founders Monitor 2021 quantifiziert und beleuchtet dieses Thema erstmals im Detail: Er macht deutlich, dass Migrant Founders neben ihrer hohen Qualifikation häufig das entscheidende unternehmerische Mindset mitbringen, groß denken und bereit sind, Risiken einzugehen. Die Ergebnisse zeigen aber auch, dass gerade in den Bereichen Finanzierung, Vernetzung und Kooperation für diese Gruppe noch Hindernisse bestehen. Sprachliche, bürokratische und administrative Hürden müssen daher weiter abgebaut werden – das gilt insbesondere mit Blick auf staatliche Förderprogramme und im Austausch mit relevanten Behörden.

Die zentralen Ergebnisse des Migrant Founders Monitors 2021:

  • Zentrale Bedeutung: Mit einem Anteil von gut 20 % nehmen Gründerinnen und Gründer mit Migrationshintergrund eine wichtige Rolle im deutschen Startup-Ökosystem ein und sind eine treibende Kraft wirtschaftlicher Innovation in Deutschland.
  • Aktuelle Dynamik: Die Startups der Migrant Founders befinden sich häufiger in früheren Entwicklungsphasen – das gilt vor allem für Migrantinnen und Migranten der ersten Generation. Dies deutet auf die vorhandene und steigende internationale Anziehungskraft deutscher Startup-Hotspots wie Berlin hin.
  • Hohe Expertise: 91 % der Gründerinnen und Gründer mit eigener Migrationserfahrung – gegenüber 84 % im gesamten Ökosystem – haben einen akademischen Abschluss. Zudem bringen sie besonders häufig einen MINT-Hintergrund mit.
  • Starkes Mindset: Migrant Founders der ersten Generation zeichnen sich durch ein ausgeprägtes Startup-Mindset aus. Sie haben eine höhere Risikobereitschaft und 68 % streben einen Exit an – dagegen nur 59 % im DSM-Schnitt. Diese Impulse sind entscheidend, wenn es darum geht, zunehmend größere Unternehmen aus dem Startup-Sektor zu entwickeln.
  • Herausforderung Wachstum: In den Bereichen Finanzierung und Kooperationen haben Gründerinnen und Gründer mit Migrationshintergrund aktuell noch Schwierigkeiten. Migrant Founders erster Generation erhielten im Mittel 1,1 Mio. € externes Kapital – gegenüber 2,6 Mio. € im DSM-Schnitt. Hier zeigen sich strukturelle und kulturelle Barrieren innerhalb wie außerhalb der Startup-Szene.

Dr. Sophie Chung, CEO und Gründerin Qunomedical sowie Präsidiumsmitglied des Startup-Verbands: „Diversität ist keine Option, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit, für die wir uns nicht erst bei den Gründerinnen und Gründern einsetzen sollten. Die Förderung von unternehmerischen Talenten sollte schon in der Kindheit beginnen: Wenn wir es schaffen, die gedanklichen und tatsächlichen Hürden in jungen Jahren abzubauen, dann heben wir die enormen, bislang brachliegenden Potenziale.”

Prof. Dr. Karl-Heinz Paqué, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit: „Es ist ermutigend zu sehen, dass Migrant Founders wichtige Impulse zum deutschen Startup-Ökosystem beisteuern. Damit sie künftig noch erfolgreicher arbeiten können, sollten sie bei der Vernetzung – z.B. mit Wissenschaftseinrichtungen – mehr Unterstützung erhalten. Hier ist eine klare Lücke erkennbar. Auch ein Abbau von bürokratischen Hürden kann helfen, zumal es bei Gründer*innen der ersten Generation nicht selten sprachliche Barrieren gibt.“

Gonca Türkeli-Dehnert, Geschäftsführerin der Deutschlandstiftung Integration: „Existenzgründungen von Migrant*innen waren in der Vergangenheit oft Notgründungen, weil sie schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hatten und immer noch haben. Heute sind Existenzgründungen aber in der Regel Chancengründungen, überwiegend von Menschen mit einem akademischen Abschluss! Damit sie ihre Ideen und Innovationskraft in Deutschland besser einbringen können, unterstützen wir sie zusammen mit Gründer*innen, Manager*innen und Investor*innen mit Migrationsbiografie im Rahmen des Mentoringprogramms 2hearts.“

 

Der Migrant Founders Monitor 2021 kann hier heruntergeladen werden

 

Über den Migrant Founders Monitor

Der Migrant Founders Monitor 2021 beleuchtet erstmals den Zusammenhang zwischen Migration und Startup-Gründungen in Deutschland. Zentrale Datenbasis ist der Deutsche Startup Monitor (DSM) – mit 1.946 Teilnehmenden die umfassendste Befragung im Feld. Der Migrationshintergrund wurde im DSM der Definition des Statistischen Bundesamtes folgend erfasst. Insgesamt konnten damit Daten von 354 Gründerinnen und Gründern mit Migrationshintergrund berücksichtig werden.

Über den Startup-Verband

Der Bundesverband Deutsche Startups e.V. wurde im September 2012 in Berlin gegründet. Der Verein ist Repräsentant und Stimme der Startups in Deutschland und vertritt ihre Interessen, Standpunkte und Belange gegenüber Gesetzgebung, Verwaltung und Öffentlichkeit. Er wirbt für innovatives Unternehmertum und trägt die Startup-Mentalität in die Gesellschaft. Der Verein versteht sich als Netzwerk der Startups in Deutschland. Weitere Informationen zum Startup-Verband finden sich unter www.deutschestartups.org. Gemeinsam mit Bitkom hat der Startup-Verband im März 2020 die Initiative #startupdiversity gestartet. Damit setzen sich die Initiatoren für mehr Diversität im Startup-Ökosystem ein.

Über die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Anliegen und Verpflichtung zugleich: Seit 2007 ist der Zusatz „für die Freiheit“ Bestandteil unseres Namens: In mehr als 60 Ländern setzen wir uns als Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit für Menschenrechte und Demokratie ein, indem wir Politikdialog und Politikberatung unterstützen. Wir bieten liberale Angebote zur Politischen Bildung und ermöglichen damit dem Einzelnen, sich aktiv und informiert ins politische Geschehen einzumischen.

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